ETAPPE 5

Etappe 5: Possagno – Semonzo

Der Monte Grappa hat eine ganz besondere Anziehungskraft auf Radsportler, so sehr dass die Weltspitze beim Giro d’Italia im Mai 2025 auf einer Etappe gleich zweimal zum Gipfel hinauf geklettert ist. Zweimal da hinauf, wo wir gestern hinunter gesaust sind und zweimal da hinab nach Romano d’Ezzelino, wo auch heute die Abfahrt der Transalp geplant ist. Und auch ohne die Profis, trifft man auf diesen Straßen immer begeisterte Radsportler. Ganz unten zu Füßen des Berges trifft man die sogar das Ganze Jahr über. Dass der Berg einen festen Platz in der Transalp hat, kommt nicht von ungefähr, es lohnt sich einfach immer wieder, hier her zu kommen. Dennoch haben wir nach vielen Überfahrten mit dem Grappa noch eine Rechnung offen. Da gibt es eine Straße, die noch nie Teil der Transalp-Strecke war. Wie schon gesagt, sind alle Verkehrswege an seiner Südflanke die Definition des Begriffs „Panoramastraße“. Aber dieses Stück, das noch gefehlt hat, sticht noch einmal heraus. Diese Straße beginnt am Monte Tomba, einer 800 Meter hohen Schulter ganz im Osten, die bereits im Rahmen der Transalp überfahren wurde. Von dort schlängelt sich eine schmale Straße in engen Kehren hinauf ins Almgelände unterhalb des Gipfels – und immer hat man das weite Land – bei klarer Luft bis zum Meer – im Blick. Bald zieht sich die Strecke etwas zurück und schlängelt sich in einen grünen Kessel mit saftigen Almwiesen unterhalb des Gipfels. Aber schon bald geht es wieder hin zu den südlichen Bergwänden und hin zu dem Grund, warum dieses Teilstück solange auf seinen Transalp-Auftritt warten musste. Die Straße war einige Jahre gesperrt weil ein paar Felstunnels renoviert werden mussten. Jetzt steht diese Ost-Verbindung zum Gipfel aber wieder, auch die Verbindung zu einem weiteren Stück Panoramastraße mit unendlichem Weitblick und zu dieser bereits erwähnten, zweiten Abfahrtvariante über Campo Solagna hinab nach Romano d’Ezzelino. Die ist ebenso rassig wie die von gestern, mit einem kurzen Zwischenanstieg aber etwas länger und im Schnitt nicht ganz so steil. Zwei flache Kilometer bis Semonzo ins Ziel dieser Etappe schließen diese neue und spektakuläre Ost-West-Traverse über den Monte Grappa ab.

Da fehlt aber noch etwas: Das wundervolle Intro zu dieser Gipfelrunde. Vom Monte Tomba im Osten hat man einen sehr guten Blick in die Prosecco-Hügel rund um Valdobbiadine. Die Prosecco-Hauptstadt liegt auf der östlichen Seite des Flusses Piave nur drei, vier Kilometer vom Fuße des Monte Grappa entfernt. Ringsum gibt es sonnige Hügel voller Rebstöcke, eine kitschig schöne leuchtend grüne Kulturlandschaft, die mit roten Ziegeldächern der Dörfer und Weingüter alle Postkartenklischees erfüllt. Und mittendurch schlängeln sich Sträßchen im Auf und Ab über und um die Hügel. Ein Heidenspaß ist es, mit dem Rennrad hier durchzustreifen. Nicht umsonst findet hier im September jeden Jahres eine Radsportveranstaltung statt, mit dem klangvollen Namen „Prosecco Cycling“. Und eben genau so ein hügeliges Stück davon ist dieser Bergetappe vorgelagert. Diese Etappe hat zwei Welten und dieser Mix ist ebenso betörend wie ein prickelnder Prosecco.

TT-2026_HP_Etappe_05_s6v4jq