ETAPPE 6

Etappe 6: Semonzo – Lavarone

Und wieder tauchen wir in eine ganz andere Welt ein. Zwischen Bassano del Grappa mit dem Fluss Brenta und dem Etschtal bei Trento weiter im Westen erhebt sich eine gewaltige Hochebene. Dabei schließt an den östlichen Teil der Sette Communi, der 7 Gemeinden rund um Asiago, weiter im Westen die Alpe Cimbra an, der Teil mit den Orten Folgaria, Luserna und Lavarone, dem Ziel dieser Etappe. Die riesige Felsplatte hat im Norden ein paar Auswüchse, die sogar über 2000 Meter hohe Gipfel schaffen, und von allen Seiten schroffe Taleinschnitte, tiefe Risse im Rand, mit steilen Wänden, die imposante Schluchten bilden. Eine dieser Schluchten ist das Valstagna mit einer der skurrilsten Straßen der Transalp-Geschichte. In Spitzkehren windet sich die Straße wie bei steilen Treppenstufen die Wand hinauf. Aber zwischen den Kehren gibt es keine Geraden. Hier reihen sich Kurven an Kurven, ein einziges Geschlängel und in der Summe unendlich spektakulär. Nach 800 Metern schwindelig machender Kletterei hat man Foza erreicht, den ersten Ort der Sette Communi. Hier hat sich ein altdeutscher Dialekt gehalten, eine sehr lokale Sprache, in der auch die Ortsnamen auf die Schilder geschrieben sind. Foza heißt auch „Vüsche“, Asiago heißt auch „Sleghe“. Richtig deutlich wird die Verbindung zum Deutschen aber im Ort Mezzaselva, wo man „Mitterballe“ leicht mit Mittenwald in Verbindung bringt. Hier oben ist Bauernland, Land der Almen, eine Käsehochburg, ein grüner Teppich unterbrochen von Feldern. In Rotzo werben Schilder für die Kartoffeln, die man hier anbaut. Kleine Wälder unterbrechen das Kulturland. Die Wolken und manchmal auch der Nebel spielen mit der kupierten Landschaft und mit den Taleinschnitten. Wenn man mit dem Rad einmal oben ist, bleibt man erst mal oben und cruist im leichten Auf und Ab dahin. Das ist ein tolles Radrevier, vor allem im Sommer, weil sich hier ein etwas kühleres Mikroklima hält. Man kann der Hitze unten entfliehen. Einer der großen Einschnitte in die Hochebene ist in deren Mitte das Valdastico, das sich bis zu unserem Ziel auf der Alpe Cimbra erstreckt. Hinab ins Tal führt eine Straße, die nicht minder spektakulär ist wie die durch das Valstagna: die Pedescala. Doch genauso groß wie das Spektakel und der Spaß sind auch der Respekt und die Konzentration, die gefragt sind, um die vielen Kurven und Kehren sicher zu meistern. Im Tal angekommen gibt es zwei Wege zurück auf die Hochebene. Gleich rechts hinauf nach Carbonare, der kurze Weg wie zuletzt bei der Transalp 2024. Oder links den langen Weg über Arsiereo und Tonezza wie zuletzt 2018. Langer Rede kurzer Sinn: Es wurde wieder einmal Zeit für den langen Weg, weil dieser Anstieg wiederum sehr lohnend ist, weil er tolle Ausblicke bietet und die Straße ein weiteres Mal ausgesprochen reizvoll mit den steilen Bergwänden spielt. Jetzt erreichen wir den höchsten Punkt dieser Etappe auf 1500 Metern Höhe auf der Malga Melgnon. Wir sind zurück im grünen Almenland und dürfen uns auf freie Blicke über das weite Land freuen. Bald ist der Passo del Sommo zwischen Folgaria und Carbonare erreicht und einen kleinen Betrug müssen wir leider zugeben: ihn in die Liste der Pässe aufzunehmen. Aus unserer Richtung fährt man diesen Pass nämlich von der Seite kommend von oben an. 250 Meter tiefer liegt Carbonare und nach der letzten, kurzen Abfahrt dieser Etappe wartet Lavarone, unser Etappenziel, nur 5 Kilometer weiter weg.

Hinterland des Gardasees. Einen See gibt es am Ziel dieser Etappe übrigens auch schon, das ist ein Vorgeschmack auf das große Ziel am letzten Tag. Der Lago di Roncone ist viel, viel kleiner aber für ein erfrischendes Bad genügt auch der allemal. Und eine Bar am Ufer gibt es auch. Wer diese gewaltige Etappe geschafft hat, darf nämlich ruhig schon ein wenig feiern.

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